09.07.2026

Gemeinsam Kulturschätze für die Zukunft bewahrt

 „Ans Licht geholt – wiederentdeckte Schätze aus den Museumsdepots“ titelte eine vergangenen Ausstellung, die in Kooperation von Museum und Freundes- und Förderkreis des Museums erfolgte.

Bei besagten Schätzen handelte es sich um Bilder aller Art, die im Depot einen Dornröschenschlaf hielten – und dies seit Ausstellungsende auch wieder tun. Für vier Wochen hatten Butzbacherinnen und Butzbacher die Gelegenheit, diesen kleinen Ausschnitt des Museumsbestandes, der sonst der Öffentlichkeit verborgen bleibt, in Augenschein zu nehmen. Die ausgewählten Stücke waren teilweise in mehr oder weniger gutem Zustand und so war mit der Ausstellung der Wunsch nach Spenden für anstehende Restaurierungen verbunden. 

Die Butzbacher Bevölkerung ist sich ihres kulturellen Erbes bewusst und kam dem Wunsch zahlreich nach. So konnten Spenden in Höhe von 1.409,70 € zum Erhalt gleich mehrerer Werke beitragen und drei Stücke wurden anschließend zur Restaurierung ausgewählt:

Das erste Objekt, eine Zeichnung des Landgrafenschlosses, datiert einer Bildunterschrift nach auf den 12. Juli 1883 und stammt von Wilhelm Schneider. Das Blatt zeigte deutliche Wasserschäden und Klebeschäden in den Ecken, wahrscheinlich von einer früheren Befestigung. Restauratorin Anna Zablocka konnte für den Auftrag gewonnen werden und so löste sie in ihrer Offenbacher Werkstatt das Papier entlang der Ränder vom Glas, reinigte das Blatt detailliert auf Vorder- und Rückseite und nahm sich der Wasserschäden und Klebereste an. Sie versah das Blatt mit einem Passepartout und einem neuen Rahmen mit UV-lichtbeständigem Schutzglas. Mit ihrem geschulten restauratorischen Blick verhalf Anna Zablocka damit der Tusche- und Pastellzeichnung zu einer neuen Wirkung auf den Betrachter.

Beim zweiten Werk, das in eine Restaurierungswerkstatt ging, handelt es sich um eine „Ansicht von Hausen“ von Julius Schmidt (1894 – 1967) aus dem Jahre 1914. Das Gemälde – Öl auf Pappe – zeigt den Blick auf Hausen und den Hausberg aus nördlicher Richtung. Es besaß zahlreiche Kratzer und tiefere Löcher in der dünnen Malschicht, deren Farbe teilweise abblätterte. Zudem war die Oberfläche stark verschmutzt, die Malpappe hatte sich verformt und lag nicht mehr überall im Rahmen. Die genauere Untersuchung brachte dann zu Tage, dass sich kleine Glassplitter in einigen der Löcher befanden – Reste eines ursprünglichen Glases, das die Malerei schützte. All dieser Missstände nahm sich die Frankfurter Restauratorin Ariane Paetzold an. Mit ihrem Fachwissen und Können gelang es ihr, dem Bild seine fast ursprüngliche Wirkung zurückzugeben. Das „fast“ bezieht sich auf einige Bäume und den dunklen Wald, der von Julius Schmidt in einem kräftigen Grünton gemalt wurde. Der leuchtende Farbton veränderte sich im Laufe der Zeit, weil der Metallanteil in der Farbe zu einem dunklen braun korrodierte. Diese Tatsache ändert aber nichts an dem erstaunlichen „Vorher- Nachher“-Effekt und dem beeindruckenden Endergebnis der Restaurierungsarbeiten.

Da die Spendenmittel für die Restaurierungen dieser beiden Kunstwerke schnell erschöpft waren, beteiligte sich der Freundes- und Förderkreis Museum Butzbach e.V. großzügig an den Kosten.

Nicht nur das Gemälde selbst hatte sehr gelitten, auch der Rahmen zeigte deutliche Spuren seiner über 100-jährigen Existenz. Verformung, zahlreiche Kratzer und Druckstellen im Hochglanzlack sowie Ausbrüche in einer vergoldeten Ornamentleiste waren die Folge davon. Auch ihm wurde restauratorisch Gutes getan. Die Frankfurter Rahmenrestauratorin Stephanie Forbach behandelte die schwarzbraun lackierte Hohlkehle und die vergoldete Ornamentleiste, sodass auch der Rahmen am äußerst gelungenen Endergebnis seinen deutlichen Anteil hat.

Aber nicht allein Einzelpersonen lag die Erhaltung der präsentierten Exponate am Herzen. Bei einem der ausgestellten Stücke handelte es sich um eine Turnurkunde vom 16. Juni 1912 anlässlich des Feldbergfestes. Die Urkunde mit einer Grafik von Jean Schauß bescheinigte Friedrich Henkelmann den 24. Preis, und zwar für einen Wettkampf mit verschiedenen „Wett-Übungen“: Hoch-Weithochsprung, Steinstoßen, Laufen (100 Meter) und Freiübung. Bei diesem Stück übernahm der TSV Butzbach die kompletten Restaurierungskosten.

Die unterschiedlichen Materialien, die für die Urkunde verwendet wurden, stellten eine besondere Herausforderung dar. So war der Druck auf Papier mit einer Holzplatte verklebt und gehört in das Spezialgebiet der Papier- und Grafikrestauratorinnen/en. Die in Mitleidenschaft gezogenen Schleifen und Blätter eines umlaufenden Kranzes dagegen sind aus Textil gearbeitet, sehr fragil und erfordern textilrestauratorisches Wissen. Restauratorin Anna Zablocka übernahm auch hier die nötigen Aufgaben: Die Blätter und Bänder des Kranzes waren, wie auch das Papier, stark verschmutzt, die textilen Bestandteile des Kranzes hatten sich teilweise vom feinen Draht gelöst. Papier und Kranz wurden trockengereinigt sowie die losen Teile des Kranzes gesichert und gefestigt.

Der in das Papier eingedrungene Kleber ließ sich nicht vollständig entfernen, andernfalls hätte man Beschädigungen des Druckes in Kauf genommen. Das Endergebnis ist trotz dieser Schwierigkeiten beeindruckend. Natürlich muss auch zukünftig ein besonnener Umgang und eine fachlich einwandfreie Lagerung erfolgen, aber um für weitere Generationen erhalten zu bleiben, sind für diese drei Stücke die entscheidenden Schritte getan. An dieser Stelle sei noch einmal allen Spenderinnen und Spendern für ihr finanzielles Engagement herzlich gedankt. Alle drei Bilder können ab dem 22. Juli 2026 im Museum der Stadt Butzbach in der Färbgasse 16 in Augenschein genommen werden und sind dort zwei Monate zu sehen.

Museumsleiterin Elisabeth Harder und der Vorsitzende des Freundes- und Förderkreises Thomas Schäfer freuen sich über die gelungenen Restaurierungsergebnisse. (Foto: Stadt Butzbach)

Unter der Vereinsfahne des TSV präsentieren Michael Rüspeler und Anja Gans vom TSV-Vorstand gemeinsam mit Elisabeth Harder die restaurierte Turnurkunde. (Foto: Stadt Butzbach)