Die Stadt Butzbach plant die barrierefreie Erschließung der denkmalgeschützten Michaeliskapelle und des angrenzenden Mehlwiegehäuschens in der historischen Altstadt. Beide Gebäude sind Einzelkulturdenkmäler und bilden ein städtebaulich bedeutendes Ensembles innerhalb des Fördergebiets „Lebendige Zentren“. Ziel ist es, die historischen Bauwerke behutsam zu sanieren und künftig noch stärker für die Stadtgesellschaft zu öffnen.
Die Stadt Butzbach unterstreicht, dass sie sich kontinuierlich für die behutsame Revitalisierung der Michaeliskapelle und des Mehlwiegehäuschens einsetzt. Der Prozess ist seit Längerem von sorgfältigen Abstimmungen, fachlichen Untersuchungen und einer schrittweisen Vorbereitung geprägt. Mit der nun gewählten Mehrfachvergabe geht die Stadt einen besonderen Weg: Durch die parallele Beauftragung mehrerer Büros sollen unterschiedliche Perspektiven und kreative Lösungsansätze sichtbar werden. Ziel ist es, auf dieser Grundlage eine qualitativ überzeugende, denkmalverträgliche und zugleich zukunftsorientierte Lösung für die barrierefreie Erschließung zu entwickeln.
Die Michaeliskapelle, deren Ursprünge bis ins Jahr 1433 zurückreichen, diente ursprünglich als Beinhaus im Erdgeschoss, während sich im Obergeschoss ein Andachtsraum befand. Nach der Reformation wurde das Gebäude unter anderem als Spritzenhaus, Mehlwaage und Speicher genutzt. Das direkt anschließende Mehlwiegehäuschen wurde 1759 errichtet. Beide Gebäude wurden seit 1907 vom Heimatmuseum als Lager sowie von Vereinen und Gruppierungen genutzt. Aufgrund eines akuten Handlungsbedarfs wurden sie 2022 geräumt und stehen seitdem leer.
Mit der geplanten Maßnahme verfolgt die Stadt mehrere Ziele: Die Gebäude sollen als prägende Kulturdenkmäler zukunftsfest saniert, als Teil der mittelalterlichen Altstadt in Szene gesetzt und als Ort für Geschichte, Kultur, Lernen und Begegnung entwickelt werden. Geplant sind unter anderem Veranstaltungsräume für Vorträge, Lesungen, kleine Konzerte oder Trauungen, Ausstellungsflächen sowie multifunktionale Räume für Vereine und Institutionen. Auch Angebote zur Demokratiegeschichte und zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind vorgesehen.
Ein zentrales Element der Planung ist die barrierefreie Erschließung. Aufgrund der denkmalgeschützten Bausubstanz sind besondere Anforderungen zu berücksichtigen: Eingriffe in die historische Substanz sollen minimiert, Befestigungen möglichst reversibel ausgeführt und die Gestaltung eng mit den Denkmalbehörden abgestimmt werden.
Die Vergabe der Planungsleistungen erfolgt im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung. Drei Architekturbüros wurden zur Teilnahme eingeladen. Die eingereichten Entwürfe werden im März im Rahmen eines Ideenworkshops vorgestellt und diskutiert werden. Fachlich diskutiert werden die Entwürfe von einem Plenum. Dieses setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Butzbach, des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, der Unteren Denkmalschutzbehörde des Wetteraukreis sowie Innenstadtakteuren zusammen. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven abzuwägen und eine qualitätsvolle, denkmalschutzkonforme Lösung zu entwickeln.
Mit dem Projekt verbindet die Stadt Butzbach den Anspruch, historische Substanz zu bewahren und zugleich eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Die Verbindung von Denkmalschutz und Barrierefreiheit wird dabei als wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Stadtentwicklung verstanden.

Foto: Stadt Butzbach
