Die neue Dauerausstellung im Museum Butzbach
Herzlich willkommen in Butzbach – und herzlich willkommen in einer politisch unruhigen Zeit: dem Vormärz. Wir laden Sie ein, einzutauchen in eine Epoche zwischen Hoffnung und Repression, zwischen Aufbruch und Angst – die Jahrzehnte vor der Revolution von 1848/1849. Erleben Sie das Leben und Wirken eines mutigen Lehrers, Pfarrers, Turnpioniers und Vordenkers der Deutschen Revolution in seiner Heimatstadt Butzbach.
Die neue Dauerausstellung zeigt das Wirken von Friedrich Ludwig Weidig – dem zentralen Vordenker der hessischen Demokratiebewegung im Vormärz – in einem zeitgemäßen, innovativen Format. Sie verbindet historische Objekte mit neu gestalteten Informationstafeln, die durch moderne Medienstationen, Filme und inszenierte Spielszenen in Dialogform, ergänzt werden. Diese Elemente machen sein Netzwerk und sein Engagement für die Freiheitsbewegung im Vormärz unmittelbar spürbar. Das Neugestaltungsprojekt wurde durch die Förderung der Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ ermöglicht.

Besuchsinformationen
Ausstellungsdauer: Ab 12. Dezember 2025 (Dauerausstellung)
Öffnungszeiten: Museum & Archiv – Stadt Butzbach
Eintrittspreise: Museum & Archiv – Stadt Butzbach
Anfahrt: Museum & Archiv – Stadt Butzbach
Die Ausstellung im Überblick
Vormärz: Zeit der Unruhe – Zwischen Restauration und Widerstand
Der Vormärz umfasst die Zeit vor der Deutschen Revolution von 1848/49. Nach dem Wiener Kongress 1815 wollten die Herrschenden die alte Ordnung wiederherstellen (Restauration). Ideen von Freiheit, Demokratie und nationaler Einheit wurden systematisch unterdrückt.
- Den Deutschen Bund nutzen die Herrschenden als Kontrollinstrument.
- Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 lieferten die Grundlage für ein umfassendes Überwachungssystem und eine strenge Pressezensur.
- Hunger, soziale Not und der Ruf nach einem geeinten Deutschland trieben Menschen auf die Straße, etwa beim Hambacher Fest 1832.
Weidig in Butzbach: Pädagoge und Netzwerker
Friedrich Ludwig Weidig (1791–1837) wirkte als Lehrer und Rektor der Butzbacher Knabenschule. Sein revolutionäres Wirken begann im Klassenzimmer:
- Er wollte junge Männer zu mündigen Bürgern erziehen, die fähig waren, die Vorschriften der Obrigkeit kritisch zu beurteilen.
- Die enge, von Vertrauen geprägte Beziehung zu seinen Schülern wurde zum Fundament seines späteren konspirativen Netzwerks in der Wetterau.
- Inspiriert vom Turnvater Friedrich Ludwig Jahn gründete Weidig um 1814 auf dem Butzbacher Schrenzer einen der ersten Turnplätze in Hessen. Das patriotische Turnen war dabei von Beginn an eine zutiefst politische Angelegenheit, eng verbunden mit dem nationalen Einheitsgedanken.
„Der Hessische Landbote“ – ein revolutionäres Flugblatt
Weidig schuf gemeinsam mit Georg Büchner den „Hessischen Landboten“. In drastischer Sprache riefen sie die unterdrückte Landbevölkerung zur Revolution auf und rechneten die Steuern vor, die das Volk an eine verschwenderische Regierung abführen musste.
- Der Aufruf „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ wurde zu einer der bekanntesten Parolen jener Zeit.
- Anhand des Stadtmodells von 1832 können Sie sehen, wie Weidig die Geografie der Stadt Butzbach für seine konspirative Arbeit und die Verbreitung des Flugblatts nutzte.
Vom Opfer zum „Märtyrer der Freiheit“
Verrat und Spitzel führten schließlich zu Verhaftungen und Weidigs tragischem Ende in Haft. Weidig geriet in die Mühlen des geheimen Inquisitionsprozesses und starb 1837 in Darmstadt unter ungeklärten Umständen.
- Die offizielle Todesursache lautete Selbstmord.
- An die Wand seiner Zelle soll er mit seinem eigenen Blut die Anklage geschrieben haben: „Da mir der Feind jede Vertheidigung versagt, so wähle ich einen schimpfl. Tod von freien Stücken.“
- Sein Lebenswerk und die Umstände von Weidigs Tod machten ihn zum Symbol für die Deutsche Revolution von 1848/49.
Vertiefung und Medienstationen
Einblicke und Interaktion
An den interaktiven Medienstationen können Sie tief in die Gedankenwelt von Friedrich Ludwig Weidig und seinen Mitstreitern eintauchen. Schlüpfen Sie in verschiedene Rollen. Lauschen Sie den Stimmen der Zeit.
Die Sammlung A. W. Heil
Einige Drucke aus der „Sammlung A. W. Heil“ geben Ihnen einen zeitgenössischen Einblick in die Revolution von 1848/49. Der Butzbacher Fabrikbesitzer, Politiker und überzeugte Demokrat Alexander Wilhelm Heil (1871–1952) trug eine der wichtigsten Sammlungen politischer Druckgrafiken zum Vormärz und der Revolution 1848/49 zusammen. Einige dieser wertvollen Druckgrafiken sind nur noch in dieser Sammlung erhalten.
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