19.10.2026

Eine Mischung glücklicher Umstände

Ende September wurde die Stadt Butzbach auf ein außergewöhnliches historisches Dokument aufmerksam: Ein Manuskript Friedrich Ludwig Weidigs sollte bereits knapp eine Woche später in Berlin versteigert werden.

Schnell war klar, welch bedeutenden historischen Schatz diese Handschrift für Butzbach darstellen würde – und dass sich hier eine einmalige Gelegenheit bot, ein wichtiges Zeugnis der Stadt- und Demokratiegeschichte für die Nachwelt zu sichern.

Doch zwischen der Entdeckung des Manuskripts und der bevorstehenden Auktion lag kaum Zeit. Der Erwerb ließ sich nur mithilfe von Fördermitteln realisieren. Eine Woche, um die notwendigen finanziellen Mittel zu erhalten, ist unter gewöhnlichen Umständen kaum möglich, denn Förderanträge sind in der Regel an festgelegte Fristen und umfangreiche Verfahren gebunden.

Doch in diesem Fall kamen alle entscheidenden Faktoren zusammen: Die Hessische Kulturstiftung, die Kulturstiftung der Länder und die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte erkannten unmittelbar die herausragende regionale, nationale und demokratiegeschichtliche Bedeutung der Handschrift. Alle drei Stiftungen sagten kurzfristig und verbindlich ihre Unterstützung zu. Der enge Bezug zwischen Friedrich Ludwig Weidig und Butzbach machte deutlich, dass dieses wertvolle historische Zeugnis an seinen historischen Ort gehört.

Auch der Freundes- und Förderkreis Museum e. V. sowie der Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung e. V., die das Museum und das Stadtarchiv seit vielen Jahren engagiert unterstützen, waren von der Bedeutung des Manuskripts überzeugt und beteiligten sich an der Finanzierung des Ankaufs.

Mit vereinten Kräften gelang schließlich, was unter diesen zeitlichen Voraussetzungen kaum möglich schien: Für ein Gebot von 20.000 Euro konnte die Stadt Butzbach das außergewöhnliche Manuskript bei der Auktion erwerben. Dank der großzügigen Unterstützung der drei Stiftungen und der beiden Vereine wurde der Kaufpreis nahezu vollständig refinanziert. Für die Stadt verblieb lediglich ein Eigenanteil im niedrigen dreistelligen Eurobereich.

„Manchmal müssen viele Dinge zur richtigen Zeit zusammenkommen, damit etwas Besonderes gelingt. Dass wir dieses bedeutende Zeugnis unserer Stadtgeschichte in kürzester Zeit für Butzbach sichern konnten, ist alles andere als selbstverständlich. Mein großer Dank gilt den Stiftungen und Vereinen, die so schnell und entschlossen geholfen haben. Gemeinsam haben wir ein Stück unserer Geschichte bewahrt – und zugleich ein wichtiges Zeugnis der deutschen Demokratiegeschichte für kommende Generationen gesichert“, betont Bürgermeister Sascha Huber.

Der Erwerb des Weidig-Manuskripts ist damit weit mehr als ein gelungener Ankauf. Er ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Gemeinschaftsleistung, getragen von der Überzeugung, dass bedeutende historische Quellen bewahrt und an ihrem authentischen Ort zugänglich gemacht werden sollten.

Hinweis der Stadt: Das abgebildete Manuskript ist nicht das Original, da dieses der Stadt bislang nicht vorliegt. Es handelt sich vielmehr um eine bildliche Darstellung zur Veranschaulichung.